Der Autor, Schauspieler und Regisseur Karl Markovics und die Kunst, Texte im Vortrag lebendig werden zu lassen
Am selben Tag noch wurde Karl Markovics in Berlin zu einem Casting erwartet, trotzdem nahm er sich am 12. Februar Zeit für einen Besuch an unserer Schule. Der
Schauspieler ist nicht nur durch zahlreiche Rollen am Theater und in Filmen bekannt, etwa dem mit einem Auslandsoscar gekrönten Streifen Die Fälscher aus dem Jahr 2008 oder erst jüngst in einer
zu Tränen rührenden Szene in Adrian Golgingers Der Fuchs (2022), sondern zudem auch als Regisseur von Fernseharbeiten und mittlerweile drei großartigen Kinofilmen, für die er nicht zuletzt die
Drehbücher verfasst hatte. Dies nahmen wir zum Anlass, uns einen Vormittag lang mit seinem Werk zu beschäftigen.
Wie schon bei Markovics‘ erstem Besuch im Oktober 2019, begann der Tag sehr entspannt, nämlich mit einem Kinobesuch. Für die 5. und 6. Klassen stand der wunderbare
Streifen Atmen (2011) auf dem Programm, in dem wir einen jungen Straftäter nach Verbüßen seiner Haftstrafe bei seinen ersten Gehversuchen in der Freiheit begleiten – wir beobachten ihn
sozusagen bei seinen ersten Atemezügen in einem neuen Leben. Die 7. und 8. Klassen sahen sich den aufwühlenden Film Nobadi (2019) an, in dem ein Schutzsuchender aus Afghanistan in einem
Kleingartenverein auf einen ehemaligen SS-Sanitäter trifft.
Die beiden komplexen Filme erwiesen sich für nicht wenige Schüler:innen, die bislang nur mit leicht konsumierbarem
Mainstream konfrontiert gewesen waren, zweifellos als Neuland. Jedenfalls ließen sie kaum jemanden kalt, und so gab es schon auf dem Weg zurück in die Schule
einiges zu bereden.
Nach der großen Pause war es dann soweit: In der ersten von zwei Stunden der intensiven Begegnung mit Karl Markovics stellte er seine beiden Filme vor, erzählte über
Hintergründe der Geschichten und der Produktion und beantwortete ausführlich Fragen der Jugendlichen. In der zweiten Stunde erlebten wir den Schauspieler dann mit den Nuancen seiner
Vortragskunst. Mit Hingabe, in den einen Momenten ganz leise und in anderen mit voller Wucht des gelesenen Wortes, widmete er sich seiner großen Leidenschaft, der Vermittlung österreichischer
Literatur. Er las Franz Kafkas Erzählung „Ein Landarzt“, trug anschließend ein im wahrsten Sinne köstliches Gedicht von Ernst Jandl vor und schloss mit einem Text aus der Feder Christoph
Ransmayrs um den Fang eines Hummers in der Irischen See.
Uns bleibt nur ein begeistertes Resümee: Es ist immer einfach schön, einen Menschen zu erleben, der das, was er macht, aus tiefstem Herzen lebt und zu vermitteln
weiß.
Text und Fotos: Peter Schnaubelt